Umweltbildung / Drogentherapie im Wald
Ganz ohne warme Dusche
Naturerlebnis als Therapie: Klienten der Drogentherapie-Einrichtung Daytop verbrachten drei Tage im Wald.
Herberhausen (kk) Das schwarze Zelt heißt Kote und hat ein Loch im Dach, damit der Rauch abzieht.
Das tut er nicht auf Anhieb. Billy, der das Feuer im Zeltinneren entfacht sitzt für kurze Zeit im Dunst. „Heute nacht war es warm und rauchfrei“, behauptet er. Der Lagerfeuer-Spezialist ist Klient in der therapeutischen Gemeinschaft bei Waake. Mit fünf anderen Bewohnern des Waldhauses hat er das Leben in der Natur erprobt. Die Göttinger GmbH für Umweltbildung, Beratung und Naturerlebnis „ARILLUS“,mit der sich sieben Geologen, Biologen, Forstwirte, Geographen und Pädagogen selbständig gemacht haben, hatte der Gemeinschaft das Erlebniscamp als Therapiebestandteil angeboten. Forstarbeiten kennenlernen, Natur erleben, Vertrauen in sich und die Mitstreiter entwickeln, seien einige der Ziele, sagt Andrea Neureuter von ARILLUS .
Zögerlich meldeten sich sechs Mutige, als unter den Bewohnern des Södderich Teilnehmer gesucht wurden. Das Wetter war blendend - bis kurz vor dem Start. Dann brach der Himmel auf. „Ich habe mir sämtliche Krankheiten gewünscht, um nicht mit zu müssen“, erzählt einer der Freiwilligen.
Reisig gegen Schlamm
Er blieb gesund – und tapfer. ARILLUS hatte sich für die Tour mit den Forsämtern Bovenden und Göttingen abgesprochen. Erste Station war am Montag der Wald bei Bösinghausen. „Das war etwas feucht“, beschreibt ein Daytop-Betreuer den Zustand von Natur und Mensch. „Den Zeltboden haben wir mit Reisig ausgelegt, gegen den Schlamm, um das Feuer kamen große Steine zum Erwärmen der Luft“, erzählt ein 20jähriger. Das zweite Lager wurde von Dienstag bis Mittwoch nach einem Fußmarsch von etwa zehn Kilometern an der Seckbornhütte bei Herberhausen aufgebaut. Essen kochten die Teilnehmer über einem offenen Feuer. Neben dem Tagwerk – Brennholz feuergerecht hacken, Wasser holen und kochen – standen Geländespiele und Erkundungsgänge auf dem Programm. Den jungen Männern, die bei Daytop gegen die Drogenabhängigkeit ankämpfen, hat der Wald gefallen. „Man ist auf sich gestellt, der Zusammenhalt muß funktionieren“, faßt einer von ihnen seine Eindrücke zusammen.
Gefehlt habe ihm ein Badezimmer. Auf das „stille Örtchen“ und eine warme Dusche freue er sich jetzt schon mächtig. Bei Daytop wird überlegt, wie das Arillus-Angebot in die Therapie integriert werden kann. „Aus Pflegesätzen kann so etwas nicht bezahlt werden“, sagt Michael Roesler, therapeutischer Leiter am Södderich. Da ARILLUS nur den Probelauf kostenfrei organisiert habe, sei die Gemeinschaft auf Sponsoren angewiesen, um ähnliche Aktionen folgen zu lassen.
